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Warum die besten Macher oft die schlechtesten Mentoren sind.
Exzellente eigene Ausführung und gute Entwicklung anderer sind zwei verschiedene Fähigkeiten, die manchmal sogar im Konflikt stehen. Was zu tun ist, wenn du dich in diesem Muster wiedererkennst.
Von Wlad Jachtchenko · 18. Juli 2026
Die beste Vertrieblerin im Raum wird Sales-Lead. Der schnellste Entwickler wird Tech-Lead. Die überzeugendste Beraterin wird Team-Chefin. Die Logik dahinter klingt einleuchtend: wer selbst exzellent ist, weiß am besten, wie es geht, und kann es folglich am besten weitergeben. Diese Logik ist in der Praxis öfter falsch als richtig · und das erklärt einen der häufigsten stillen Frust-Punkte in Führungsteams, die ich in Coachings sehe.
Eigene Exzellenz und die Fähigkeit, andere zu entwickeln, sind zwei unterschiedliche Kompetenzen. Sie korrelieren nicht automatisch. Manchmal stehen sie sogar im Konflikt miteinander.
Warum brillante Macher schlechte Lehrer sind.
Ein Muster, das ich immer wieder sehe: Menschen, die selbst extrem gut in etwas sind, haben ihre Fähigkeit oft so verinnerlicht, dass sie den eigenen Denkprozess nicht mehr in einzelne Schritte zerlegen können. Sie "wissen" die Lösung, ohne die Zwischenschritte artikulieren zu können, die ein Anfänger braucht. Psychologen nennen das den "Fluch des Wissens" · wer etwas gut kann, unterschätzt systematisch, wie viel Erklärung jemand anderes braucht, um denselben Punkt zu erreichen.
Dazu kommt ein zweites, unbequemeres Muster: Ungeduld. Wenn du selbst ein Problem in fünf Minuten lösen könntest, fühlt es sich wie Verschwendung an, jemand anderem beim Lösen in 45 Minuten zuzusehen und dabei nicht einzugreifen. Genau dieses Einspringen · "gib her, ich mach das schnell" · ist der Moment, in dem Entwicklung stoppt. Der Mitarbeiter lernt: wenn es kompliziert wird, übernimmt sowieso der Chef. Warum sich also anstrengen?
Die dritte Falle: Status durch eigene Leistung.
Viele Top-Performer, die in Führung wechseln, haben ihren Selbstwert jahrelang aus eigener sichtbarer Leistung gezogen. Führung verlangt das Gegenteil: Erfolg wird unsichtbarer, weil er über andere läuft. Wer diesen Wechsel psychologisch nicht vollzieht, sucht unbewusst weiter nach Gelegenheiten, selbst zu glänzen · und übernimmt genau die Aufgaben, die eigentlich beim Team liegen sollten, weil es sich befriedigender anfühlt als loszulassen.
Was zu tun ist, wenn du dich wiedererkennst.
- Zerlege deinen eigenen Denkprozess bewusst in Schritte, bevor du ihn weitergibst · nicht "so macht man das", sondern "erstens, zweitens, drittens, und hier ist der Punkt, an dem ich normalerweise abwäge zwischen X und Y".
- Halte dich aktiv zurück, wenn jemand langsamer arbeitet als du es täte. Setz dir eine bewusste Wartezeit, bevor du eingreifst · und greif dann nur mit einer Frage ein, nie mit der fertigen Lösung.
- Miss deinen Erfolg neu: nicht "was habe ich diese Woche selbst geliefert", sondern "was hat mein Team diese Woche ohne mich hinbekommen, das es vor drei Monaten noch nicht konnte".
- Frag dich bei jeder Aufgabe, die du übernimmst, explizit: "Mache ich das, weil ich es tun muss, oder weil ich es gerne tue?" Bei letzterem: geh einen Schritt zurück.
Das ist keine Entschuldigung dafür, ein schwacher Mentor zu bleiben. Es ist eine Erklärung, warum es passiert, und ein Hinweis darauf, dass die Lösung nicht "noch mehr selbst leisten" ist, sondern eine andere, bewusst trainierte Fähigkeit. Der beste Test, ob du diesen Wechsel geschafft hast: schau dir dein Team in sechs Monaten an, ohne dich. Wenn es besser läuft ohne dich als mit dir dabei · gratuliere, du hast gerade aufgehört, nur ein brillanter Macher zu sein, und angefangen, eine echte Führungskraft zu werden.