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Teamentwicklung nach Tuckman: was jede Phase von dir als Führungskraft verlangt.

Forming, Storming, Norming, Performing — das Modell kennt jeder. Was die meisten Führungskräfte falsch machen: in der Storming-Phase zu früh harmonisieren zu wollen. Eine praktische Einordnung mit konkreten Signalen pro Phase.

Von Wlad Jachtchenko · 23. Juli 2026

Bruce Tuckman hat sein Modell 1965 veröffentlicht, und es hat sechzig Jahre überlebt, weil es eine unbequeme Wahrheit beschreibt: Jedes Team, das etwas taugt, muss durch eine Konfliktphase, bevor es wirklich performt. Wer diese Phase überspringen will, verhindert genau die Leistung, die er sich wünscht.

Forming: was das Team braucht — und was du liefern musst

In der Forming-Phase ist jeder höflich, weil niemand die Regeln kennt. Deine Aufgabe ist nicht, Harmonie zu organisieren — die gibt es hier ohnehin künstlich. Deine Aufgabe ist, Klarheit zu liefern: Ziel, Rollen, Entscheidungswege. Teams, die in Forming zu wenig Struktur bekommen, verlängern diese Phase unnötig, weil niemand sich traut, die fehlende Klarheit einzufordern.

Storming: der Test, an dem die meisten Führungskräfte scheitern

Storming ist der Moment, in dem die Höflichkeit bricht. Rollen werden infrage gestellt, Meinungsverschiedenheiten werden laut, manchmal wird es persönlich. Das ist kein Zeichen für ein kaputtes Team. Das ist der Preis für echte Zusammenarbeit — Menschen, die sich nie reiben, haben sich meist nie wirklich engagiert.

Der Reflex, den Konflikt zu glätten, kommt aus einem verständlichen Ort: unangenehme Spannung im Raum fühlt sich nach Führungsversagen an. Das Gegenteil ist wahr. Eine Führungskraft, die Storming aushält und moderiert — statt es zu unterdrücken — bringt ein Team schneller in Norming als eine, die vorzeitig Frieden erzwingt.

Was in Storming konkret zu tun ist

  1. Konflikte benennen statt umschiffen: "Ich sehe, dass ihr zwei unterschiedliche Auffassungen darüber habt, wer hier entscheidet. Lasst uns das klären, bevor wir weitermachen."
  2. Rollen explizit klären, nicht implizit hoffen, dass sie sich einpendeln.
  3. Einzelgespräche führen, bevor die Spannung nur noch im Gruppenraum eskaliert.
  4. Keine Entscheidungen erzwingen, die eigentlich einen ausgetragenen Konflikt brauchen — das rächt sich in Norming.

Norming: Regeln, die wirklich halten

Norming gelingt nur, wenn Storming echt ausgetragen wurde. Ein Team, das den Konflikt übersprungen hat, einigt sich in Norming nur scheinbar — die ungelösten Spannungen tauchen später wieder auf, meist unter Druck. Deine Rolle hier: die neu entstandenen Regeln explizit machen und sichtbar einfordern, nicht nur stillschweigend hoffen, dass sie sich halten.

Performing: die Phase, in der Führung leiser wird

In Performing sinkt dein Koordinationsaufwand spürbar. Das Team löst die meisten Konflikte selbst, Entscheidungen laufen ohne dich als Flaschenhals. Die häufigste Führungsfehler hier: zu viel eingreifen, aus Gewohnheit aus den früheren Phasen. Performing braucht Führung, die zurücktritt, nicht Führung, die nachlässt.

Adjourning: die vergessene fünfte Phase

Teams lösen sich auf — Projektende, Reorganisation, Mitgliederwechsel. Adjourning wird meist ignoriert, weil es unbequem ist, Abschluss zu organisieren, wenn ohnehin Neues ansteht. Ein bewusstes Ende — Rückblick, Anerkennung, offene Fragen klären — verhindert, dass Nachfolge-Teams die ungelösten Themen des Vorgängers erben.

Ein Team, das nie gestritten hat, hat sich auch nie wirklich kennengelernt.

— Wlad, Argumentorik-Akademie 2024

Tuckman lässt sich nicht an einem Workshop-Tag verinnerlichen — die Storming-Phase kommt real, oft Wochen nach dem Training, wenn niemand mehr an das Modell denkt. In der 30-Tage-Challenge tauchen genau solche Situationen als Mikro-Drills auf: WladBot erkennt am geschilderten Fall, in welcher Phase dein Team gerade steckt, und übt mit dir die passende Reaktion, statt dir nur die Theorie zu erklären.

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