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Peer-Coaching in Führungsteams: Die unterschätzte Methode.
Führungskräfte coachen sich gegenseitig – ohne externen Coach, fast ohne Budget. Wenn es strukturiert läuft, ist Peer-Coaching eine der wirksamsten Methoden überhaupt. Wenn nicht, wird es zur Jammer-Runde. Der Unterschied liegt in drei Regeln.
Von Wlad Jachtchenko · 19. Juli 2026
Peer-Coaching wird in den meisten Unternehmen unterschätzt, weil es billig aussieht. Kein externer Coach, keine Rechnung, nur ein paar Führungskräfte, die sich regelmäßig treffen und sich gegenseitig helfen. Genau diese Kostenlosigkeit führt dazu, dass es selten ernst genommen und noch seltener strukturiert aufgesetzt wird – und ohne Struktur verkommt Peer-Coaching fast immer zur Jammer-Runde, in der jeder sein Problem abgeladen, aber niemand einen Fortschritt gemacht hat.
Warum Peer-Coaching überhaupt funktioniert.
Ein Peer-Coach hat etwas, das kein externer Coach und kein Vorgesetzter hat: er steht im selben Unternehmen, in einer vergleichbaren Situation, mit vergleichbaren Zwängen. Wenn eine Bereichsleiterin einer anderen Bereichsleiterin von ihrem Problem mit einem schwierigen Teammitglied erzählt, versteht die Zuhörerin sofort den politischen Kontext, die Unternehmenskultur, die ungeschriebenen Regeln – Dinge, die ein externer Coach erst mühsam erfragen müsste. Das macht Peer-Coaching potenziell schneller und präziser als klassisches Coaching, wenn es richtig läuft.
Das Format, das funktioniert.
Peer-Coaching in Führungsteams funktioniert am besten in festen Kleingruppen von drei bis fünf Personen, die sich alle zwei bis vier Wochen für 60 bis 90 Minuten treffen. Größere Gruppen verwässern die Tiefe, seltenere Treffen lassen den Rhythmus einschlafen. Innerhalb der Sitzung bekommt reihum jede Person 15 bis 20 Minuten, um einen konkreten Fall einzubringen – kein allgemeines "mir geht es gerade nicht gut", sondern eine spezifische Situation: ein bevorstehendes Gespräch, eine Entscheidung, ein Konflikt.
- Die Person schildert den Fall in maximal fünf Minuten – Fakten, nicht Interpretationen.
- Die Gruppe stellt ausschließlich Fragen, keine Ratschläge – mindestens fünf, bevor überhaupt eine Meinung geäußert werden darf.
- Erst danach dürfen die anderen Perspektiven und Optionen anbieten, die die Person selbst gewichtet.
- Die Person formuliert am Ende einen konkreten nächsten Schritt, den sie bis zum nächsten Treffen umsetzt – und berichtet beim nächsten Mal, was daraus geworden ist.
Die drei häufigsten Fallstricke.
Der erste Fallstrick ist fehlende Struktur – ohne festen Ablauf und feste Redezeiten wird jedes Treffen zur unstrukturierten Aussprache, in der die redegewandteste Person am meisten Raum einnimmt und am wenigsten dabei lernt. Der zweite ist fehlende Verbindlichkeit: Wenn Termine ständig verschoben werden, weil "gerade etwas Wichtigeres" ansteht, stirbt das Format innerhalb weniger Monate. Der dritte, subtilste Fallstrick ist die fehlende Vertraulichkeit – sobald einmal etwas aus der Runde nach außen dringt, ist das Vertrauen zerstört und niemand bringt mehr echte Fälle ein.
Peer-Coaching ohne Regeln ist keine günstige Alternative zum Coaching. Es ist eine teure Zeitverschwendung mit gutem Gewissen.
Wo Peer-Coaching an seine Grenzen kommt.
Peer-Coaching ersetzt kein professionelles Coaching bei tiefgreifenden persönlichen Themen – wenn eine Führungskraft mit Selbstzweifeln, Erschöpfung oder einem echten Konflikt mit der eigenen Führungsrolle kämpft, braucht sie einen ausgebildeten Coach, keine gleichrangigen Kollegen. Peer-Coaching ist am stärksten bei operativen, wiederkehrenden Führungsfragen – und genau dort, wo klassisches Coaching aus Budgetgründen ohnehin nicht flächendeckend eingesetzt werden kann.
LeaderOS bringt genau diese Struktur, die Peer-Coaching braucht, in den digitalen Alltag: Die 30-Tage-Challenge gibt jeder Führungskraft dieselben konkreten Übungssituationen vor, sodass Peer-Gespräche einen gemeinsamen Bezugsrahmen haben, statt bei null zu starten. Und wenn zwischen den Peer-Runden eine akute Frage auftaucht, steht WladBot als sofortiger Sparringspartner bereit – ohne auf das nächste Gruppentreffen warten zu müssen.