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Leadership-Coaching für Frauen in Führungspositionen: Wo es wirklich ansetzt.

Kommunikation, Entscheidungsfindung, Konfliktfähigkeit: Die Kern-Skills der Führung sind geschlechtsneutral. Aber ein Teil der Dynamik, in der Frauen in gehobenen Positionen navigieren, ist es nicht. Wo gutes Coaching konkret ansetzt, ohne in Klischees zu verfallen.

Von Wlad Jachtchenko · 16. Juli 2026

Die meisten Leadership-Programme sind bewusst geschlechtsneutral aufgebaut, und das ist größtenteils richtig: Kommunikation, Entscheidungsfindung, Delegation sind universelle Skills. Trotzdem zeigt sich in der Coaching-Praxis wiederholt, dass es Dynamiken gibt, die man nicht wegdiskutieren sollte, sobald eine Frau in einer bislang männlich dominierten Führungsebene aufsteigt.

Der Double-Bind bei Durchsetzungsfähigkeit.

Dasselbe direkte Verhalten wird je nach wahrgenommenem Geschlecht unterschiedlich gedeutet: bei dem einen Archetyp als "kompetent und entscheidungsfreudig", beim anderen als "zu hart" oder "unangenehm". Das ist kein Vorwurf an einzelne Kollegen, sondern eine gut dokumentierte Wahrnehmungsverzerrung. Coaching kann diese Verzerrung nicht auflösen, sie sitzt außerhalb der Führungskraft. Es kann aber helfen, sie bewusst zu navigieren, ohne deshalb weniger direkt zu werden.

Konkret heißt das: Framing und Timing einer klaren Ansage bewusst wählen, ohne den Inhalt zu verwässern. Der Unterschied zwischen "Das mache ich anders" und "Ich würde vorschlagen, das anders zu machen, weil..." transportiert dieselbe Entscheidung, wird aber unterschiedlich aufgenommen. Coaching übt diesen bewussten Wechsel, statt der Führungskraft zu sagen, sie solle einfach "selbstbewusster auftreten".

Netzwerk-Nachteile: Zugang zu informellen Kanälen.

Viele strategische Entscheidungen werden informell vorbesprochen, beim Golfen, beim Rauchen vor der Tür, im Herrenclub-artigen Abendessen nach der Konferenz. Frauen in Führungspositionen berichten wiederholt, dass sie strukturell außerhalb dieser informellen Loops stehen, nicht aus persönlichen Gründen, sondern weil die Loops historisch entlang bestehender Netzwerke gewachsen sind.

Coaching adressiert das praktisch: eine bewusste Sponsoring-Strategie aufbauen (wer im Unternehmen spricht für dich, wenn du nicht im Raum bist?), Sichtbarkeit gezielt strukturieren statt zu hoffen, dass gute Arbeit von selbst auffällt, und konkrete, nachverfolgbare Handlungsschritte statt des vagen Rats "netzwerke mehr".

Impostor-Phänomen: kein individuelles Defizit.

In der Coaching-Praxis taucht das Impostor-Phänomen bei Frauen in Senior-Rollen auffällig häufig auf. Nicht weil die Kompetenz geringer wäre, sondern weil die Beobachtung strenger ist und es oft weniger sichtbare Vorbilder in ähnlicher Position gibt. Das verstärkt den eigenen Zweifel, obwohl die Ursache strukturell ist und nicht persönlich.

Was gutes Coaching hier konkret anders macht.

  1. Die Dynamik explizit benennen, statt so zu tun, als gäbe es sie nicht. Erst dann lässt sie sich als Strategiefrage behandeln statt als persönliches Defizit.
  2. Sponsoring- und Sichtbarkeitsstrategie als konkretes, nachverfolgbares Arbeitspaket entwickeln, nicht als vagen Ratschlag.
  3. Kompetenzfragen von Selbstvertrauensfragen sauber trennen, mit konkreter Evidenz-Durchsicht der eigenen Leistungen statt pauschaler Beruhigung.

Was seriöses Coaching nicht tut.

Es verzichtet auf Klischee-Ratschläge wie "sei einfach selbstbewusster" oder "sprich lauter". Es macht die Dynamik nicht zum alleinigen persönlichen Problem der Führungskraft, ohne die strukturelle Komponente zu benennen. Und es tut nicht so, als würde ein einziges, unverändertes Standardprogramm diese Unterschiede automatisch mit abdecken.

Man löst den Double-Bind nicht, indem man ihn ignoriert. Man löst ihn, indem man ihn zur Strategiefrage macht statt zur Selbstzweifel-Frage.

— Wlad, Argumentorik-Akademie 2024

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