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Laterale Führung.
Führen ohne Weisungsbefugnis · Definition, die drei Hebel (Vertrauen, Verständigung, Macht-Verständnis) und konkrete Techniken für Projektleiter und Matrix-Organisationen.
Von Wlad Jachtchenko · 29. Juni 2026
Laterale Führung bedeutet, Menschen zu führen, über die man keine disziplinarische Macht hat · keine Weisungsbefugnis, kein Gehaltshebel, keine formale Hierarchie. Es ist Führung „zur Seite" statt „von oben". Wer ein Projektteam aus verschiedenen Abteilungen leitet, in einer Matrix-Organisation arbeitet oder Kollegen ohne Vorgesetztenrolle koordiniert, führt lateral.
Das Konzept stammt von Stefan Kühl und Thomas Schnelle. Ihre zentrale Erkenntnis: Wenn die formale Macht fehlt, muss Führung über drei andere Hebel laufen.
Die drei Hebel der lateralen Führung.
- Vertrauen · der wichtigste Hebel. Ohne Weisungsbefugnis folgen Menschen dir, weil sie dir vertrauen, nicht weil sie müssen. Vertrauen baust du durch Verlässlichkeit, Transparenz und das Einhalten kleiner Zusagen · über Wochen, nicht über einen Workshop.
- Verständigung · gemeinsame Sicht herstellen. Du kannst nicht anordnen, also musst du überzeugen. Das heißt: die Interessen aller Beteiligten verstehen, eine gemeinsame Sprache finden, und Ziele so framen, dass jeder seinen Nutzen sieht.
- Macht (richtig verstanden) · auch ohne Hierarchie gibt es Macht: Informationsmacht (du weißt etwas), Beziehungsmacht (du kennst die Richtigen), Expertenmacht (du kannst etwas). Laterale Führung nutzt diese informellen Quellen bewusst statt sich über die fehlende formale Macht zu beklagen.
Laterale vs. disziplinarische Führung.
Der entscheidende Unterschied: Bei disziplinarischer Führung hast du formale Autorität (du kannst Aufgaben zuweisen, beurteilen, im Extremfall sanktionieren). Bei lateraler Führung hast du das nicht · du arbeitest nur mit Einfluss. Viele frisch ernannte Projektleiter scheitern genau hier: sie führen lateral, verhalten sich aber, als hätten sie disziplinarische Macht · und wundern sich, warum keiner mitzieht.
Ohne formale Macht zählt nur eines: ob die Menschen freiwillig hinter dir herlaufen. Das verdienst du dir, du bekommst es nicht mit dem Titel.
Sechs Techniken für die laterale Praxis.
- Interessen vor Positionen (Harvard-Methode): frag nicht „Was willst du?", sondern „Warum ist dir das wichtig?". Hinter unvereinbaren Positionen liegen oft vereinbare Interessen.
- Kleine Zusagen, immer eingehalten: jede gehaltene Mini-Zusage baut Vertrauenskapital. Jede gebrochene kostet das Zehnfache.
- Transparenz als Standard: teile Informationen proaktiv. Informationsvorsprung als Waffe zerstört laterales Vertrauen sofort.
- Den Sponsor sichtbar machen: hol sichtbare Rückendeckung von jemandem mit formaler Macht · das verleiht deiner lateralen Rolle Gewicht.
- Konflikte früh und direkt: ohne Hierarchie eskalieren ungelöste Spannungen schneller. B·W·W (Beobachtung · Wirkung · Wunsch) ist dein Skript.
- Gemeinsame Erfolge feiern: laterale Teams haben keine gemeinsame Linie · also musst du aktiv Wir-Gefühl bauen, über geteilte Wins.
Laterale Führung lernen.
Weil laterale Führung reine Skill-Arbeit ist (Vertrauen, Verhandlung, Kommunikation), lässt sie sich besonders gut drillen. In LeaderOS übst du die Harvard-Verhandlung, die Feedback-Formel und Konflikt-Skripte an deinen echten Projektsituationen · mit WladBot als Sparring für das Gespräch, das morgen ansteht.