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Die Ebbinghaus-Vergessenskurve im Führungskräftetraining.
Ein Zwei-Tage-Seminar ist nach einem Monat zu 80 Prozent vergessen – das ist keine Vermutung, sondern seit über 130 Jahren empirisch belegt. Was die Ebbinghaus-Vergessenskurve zeigt, und warum sie das Design von Führungskräftetraining komplett auf den Kopf stellen müsste.
Von Wlad Jachtchenko · 20. Juli 2026
Hermann Ebbinghaus, ein deutscher Psychologe, hat in den 1880er-Jahren an sich selbst getestet, wie schnell auswendig gelernte Silben aus dem Gedächtnis verschwinden. Das Ergebnis war so eindeutig, dass es bis heute Bestand hat: Wissen verfällt nicht linear, sondern exponentiell – und der größte Teil des Verlusts passiert in den ersten Stunden und Tagen nach dem Lernen, nicht Monate später.
Was das für ein Zwei-Tage-Seminar bedeutet.
Übertrage die Kurve auf ein klassisches Führungskräftetraining: zwei Tage außer Haus, dichtes Programm, motivierte Teilnehmer, gute Bewertungen am Ende. Und dann? Ohne jede weitere Wiederholung ist genau das Wissen, für das gerade vierstellige Beträge pro Teilnehmer bezahlt wurden, nach vier Wochen zu einem Großteil wieder weg. Nicht, weil das Training schlecht war. Sondern weil das menschliche Gedächtnis so funktioniert – unabhängig davon, wie gut der Trainer war oder wie interessant der Inhalt.
Spaced Repetition statt Einmal-Workshop.
Die Konsequenz aus der Ebbinghaus-Kurve ist im Grunde simpel, wird aber in der Trainingspraxis selten konsequent umgesetzt: Statt einer großen Lerneinheit braucht es viele kleine, über die Zeit verteilte Wiederholungen. Die Forschung zu Spaced Repetition zeigt, dass die Abstände dabei zunehmen sollten – kurz nach dem ersten Lernen häufig wiederholen, dann die Abstände strecken, sobald sich das Wissen gefestigt hat.
- Erste Wiederholung innerhalb von 24 Stunden nach dem initialen Lernimpuls – nicht erst in der nächsten Seminarrunde in drei Monaten.
- Weitere Wiederholungen nach etwa einer Woche, dann nach zwei bis drei Wochen, dann monatlich – jeweils in kurzer, angewandter Form, nicht als erneuter Vortrag.
- Jede Wiederholung sollte eine echte Anwendung sein, kein reines Wiederholen von Theorie – ein kurzes Gespräch üben ist wirksamer als eine Folie erneut zu lesen.
Warum Mikro-Wiederholungen dem Einmal-Workshop überlegen sind.
Ein tägliches Mikro-Drill von fünf bis zehn Minuten – eine kurze Übung, eine reale Situation, eine sofortige Rückmeldung – erzeugt über einen Monat verteilt weit mehr Wiederholungen als ein einzelner, noch so gut gemachter Workshop-Tag. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern folgt direkt aus der Kurve: Häufigkeit schlägt Intensität, wenn es um langfristiges Behalten geht. Ein einzelner intensiver Tag erzeugt einen hohen, aber extrem kurzlebigen Wissensstand. Dreißig kurze, verteilte Einheiten erzeugen einen niedrigeren Einzelstand, der aber tatsächlich hält.
Niemand würde erwarten, nach einem einzigen Fitnessstudio-Besuch dauerhaft fit zu bleiben. Bei Führungskompetenzen erwarten wir das nach einem einzigen Seminartag trotzdem.
Das bedeutet nicht, dass Präsenz-Workshops wertlos sind – sie können exzellent sein, um ein Thema erstmalig zu vermitteln und Beziehungen im Team aufzubauen. Aber ohne ein nachgelagertes System der Wiederholung ist ihr Effekt fast garantiert kurzlebig, egal wie gut der Trainer war.
LeaderOS ist im Kern genau um dieses Prinzip herum gebaut, nicht als nachträgliche Ergänzung dazu: Die 30-Tage-Challenge liefert täglich neue Mikro-Drills, die frühere Inhalte gezielt wieder aufrufen, statt sie einmal zu vermitteln und dann zu vergessen. WladBot erinnert und übt mit jeder Führungskraft genau dann, wenn die Ebbinghaus-Kurve es verlangt – nicht erst beim nächsten jährlichen Auffrischungsseminar.