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Drei Burnouts. Eine Lektion. Was ich Führungskräften heute sage.

Ich hatte drei Burnouts bevor ich 40 wurde. Hier ist was ich daraus gelernt habe · und warum es nicht die Last ist, die dich brennt, sondern die fehlende Struktur.

Von Wlad Jachtchenko · 16. August 2026

Ich hatte drei Burnouts bevor ich 40 wurde. Den ersten mit 32, den zweiten mit 35, den dritten mit 39. Ich schreibe das öffentlich, weil ich es jahrelang nicht getan habe. Ich habe es jahrelang versteckt, umschrieben, als "schwierige Phase" abgetan. Ich war Coach. Ich sollte das nicht haben. Das war der dümmste Gedanke, den ich je hatte. Coaches haben es zuerst, weil Coaches die Last anderer mittragen ohne es zu sehen.

Wenn du dieses hier liest und Führungskraft bist, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du erkennst dich wieder · Sonntagabend-Gedankenkarussell, montags müder als sonntags, Selbstzweifel die dir keinen ehrlichen Schlaf mehr geben. Oder du erkennst dich noch nicht wieder. Beide Fälle sind der richtige Moment für diesen Text. Im ersten beruhigend, im zweiten warnend.

Burnout 01: 32 Jahre alt. Erste Führungsrolle.

Ich hatte gerade mein erstes Team übernommen. Sieben Leute. Ich wollte allen beweisen dass ich es verdient hatte. Ich arbeitete 60 Stunden die Woche, kontrollierte alles, machte am Wochenende Mails fertig. Drei Monate ging das. Dann fing ich an im Auto auf dem Weg zur Arbeit zu zittern. Eine Woche später konnte ich morgens nicht mehr aufstehen. Krankschreibung sechs Wochen.

Damals dachte ich: ich habe zu viel gearbeitet. Falsch. Ich hatte nicht zu viel gearbeitet. Ich hatte unstrukturiert gearbeitet. Ich hatte ohne Routinen geführt. Ich hatte jeden Tag ad-hoc reagiert. Ich hatte keine Reflexions-Slots. Ich hatte 24/7 erreichbar sein wollen. Die Last war nicht das Problem. Die Form in der ich sie trug war das Problem.

Burnout 02: 35 Jahre alt. Zu schnell skaliert.

Zwischen Burnout eins und Burnout zwei lagen drei Jahre. Ich hatte beim zweiten viel "gelernt" · bessere Tools, mehr Yoga, Therapie. Was ich nicht gelernt hatte: zu trennen zwischen "ich kann das" und "ich muss das". Mein Team war auf 22 Leute gewachsen. Drei Standorte. Ich war überall, dachte ich müsste überall sein.

Im April fielen mir die Hände beim Tippen taub an. Im Mai konnte ich Texte nicht mehr lesen ohne dass mir schwindlig wurde. Im Juni hat mein Arzt mir gesagt: das ist keine "Erkältung die nicht weggeht". Das ist dein Körper der dir sagt, dass du nicht mehr funktionierst. Drei Monate raus.

Die Lektion war diesmal anders. Burnout eins war ein Rhythmus-Problem. Burnout zwei war ein Rollen-Problem. Ich hatte versucht, weiterhin der Beste in allen fünf Rollen zu sein · Vorausschau, Entscheidung, Kommunikation, Verstärken, Verteidigen · bei einem Team das drei Mal so groß war. Das geht nicht. Wer fünf Rollen für 22 Leute spielen will, verschwindet selbst.

Burnout 03: 39 Jahre alt. Bevor ich das System baute.

Der dritte war anders. Subtiler. Ich kam nicht mehr ins Bett, wenn ich ins Bett ging. Ich lag, dachte, rechnete Kunden im Kopf durch, schaute um zwei Uhr morgens E-Mails an. Tagsüber war ich erschöpft, abends war ich wach. Ich nahm keine Wochenenden mehr. Ich aß im Stehen. Ich war 39 und ich fühlte mich 60.

Was diesmal anders war: ich erkannte es zwei Monate bevor mein Körper zusammenbrach. Ich erkannte das Gedankenkarussell. Ich erkannte den Selbstzweifel-Loop · "ich bin nicht gut genug, ich muss mehr arbeiten, ich bin doch nicht gut genug". Ich erkannte den Reflex: bei Stress mehr Aktivität. Falsch. Bei Stress mehr Struktur.

In den drei Monaten bis ich umfiel · diesmal kontrolliert, mit Plan · baute ich das System das ich vorher nicht gehabt hatte. Feste Routinen pro Wochentag. 5-Rollen-Mapping pro Quartal. Tägliche Reflexion in 4 Minuten. Wöchentliches Sparring. Sechs Monate später war ich produktiver als je zuvor, mit 38 Stunden die Woche. Und ohne Burnout-Risiko seitdem.

Die eine Lektion.

Hier ist die Lektion aller drei Burnouts in einem Satz: es ist nicht die Last die dich brennt. Es ist die fehlende Struktur in der du die Last trägst.

Eine Führungskraft mit klaren Rollen, klaren Routinen, klaren Reflexions-Slots kann 40 Stunden tragen die andere in 70 nicht tragen. Eine Führungskraft die ad-hoc reagiert, jeden Tag von der Inbox geführt wird, keine Sparring-Partner hat, brennt bei 50 Stunden aus. Es ist nicht die Stunde-Zahl. Es ist die Form.

Das gilt auch für Selbstzweifel. Selbstzweifel ist nicht ein Charakter-Problem. Selbstzweifel ist meistens ein Strukturierungs-Problem. Wer keine klaren Erfolgs-Marker hat, kann seinen Erfolg nicht sehen. Wer keine Reflexion macht, sieht nur was schiefging. Wer keinen Sparring-Partner hat, dreht in der eigenen Schleife. Das ist nicht weil du schwach bist. Das ist weil dein System fehlt.

Was ich Führungskräften heute sage.

Wenn jemand zu mir kommt mit "ich bin am Ende, ich überlege zu kündigen" · und das kommt jede Woche mehrfach vor · frage ich drei Dinge. Nicht "wie viele Stunden arbeitest du". Sondern:

Wenn du dich gerade wiedererkennst.

Falls du beim Lesen Erschöpfung gespürt hast, oder das Sonntagabend-Gefühl · bitte tu drei Dinge diese Woche. Erstens: schreib einer befreundeten Führungskraft eine Sprachnachricht und sag wie es dir geht. Nicht "alles gut, viel zu tun". Ehrlich. Zweitens: blocke dir am Freitag 15 Minuten Reflexion. Drei Sätze: was lief, was nicht, was nehme ich mit. Drittens: such dir bis Ende des Monats einen Sparring-Partner. Egal ob Coach, Peer oder Plattform. Du musst das nicht alleine tragen.

Ich habe drei Burnouts gebraucht um zu lernen, was ich Führungskräften heute in den ersten 30 Minuten sage. Du musst keinen einzigen brauchen. Das ist meine ehrliche Hoffnung, wenn du das hier liest.

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